Gentle Monster (2026)

Nach einer sehr ernst gemeinten (!) Stellungnahme zu einem pädokriminellen Castmitglied, meinte Marie Kreutzer:
“Lasst uns doch einen Film über einen pädokriminellen Familienvater machen!”

Und alle so:
“Jaaaa toll!!“

Bevor wir reingehen, ein kurzer Rückblick:
2022 kam der Sisi-Film Corsage in die heimischen Kinos. Es soll einen feministischer Blick auf das Leben der österreichischen Kaiserin Sisi werfen, die ab ihrem 40. Geburtstag merkt, dass sie altert. Glaub ich – ich hab den Film nicht gesehen.

Unter den Castmitgliedern:
Ein Schauspieler, der wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe schon in der Öffentlichkeit stand (man darf ihn nicht namentlich nennen, weil er dann übertrieben hart klagt wegen Rufschädigung und so) und Florian Teichtmeister.

Während der Dreharbeiten für „Corsage“ wurden Ermittlungen gegen Teichtmeister wegen des Besitzes von Inhalten sexueller Gewalt an Kindern in die Wege geleitet.

Der Film war ein großer Erfolg (für Österreich) (satte 60.240 Besucher*innen ist ganz schön viel, das ist einmal das Ernst Happel Stadion + Parkplatz!), wurde mehrfach nominiert (unter anderem als Österreichische Auslandsoscar-Kandidatin), und natürlich ist es wahnsinnig belastend, dass ein Typ wieder mal alles kaputt macht.

Ein Typ, von dem „niemand gewusst“ haben soll, dass er in der Vergangenheit im Rahmen seiner Arbeit übergriffig war und darüber hinaus pädokriminelle Handlungen vollzogen hat. Obwohl es in der Filmbranche relativ bekannt war, dass er bereits seiner Partnerin gegenüber gewalttätig war.

Irgendwie fühlt sich das wie ein roter Faden an, der sich durch mein Vaterland Österreich zieht: Wir scheinen im Nachhinein wirklich vieles nicht gewusst zu haben : )

Naja, im Statement der Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer zur „Causa Teichtmeister“ heißt es (ich paraphrasiere): Sie hätte von all dem nichts gewusst, es mache sie traurig und wütend, dass ein feministischer Film, an dem sie und so viele Menschen aus so vielen Ländern jahrelang hingearbeitet hätten, von den Taten eines Mannes beschmutzt wurde. Weiters wird Teichtmeister die Schuld dafür gegeben, dass er seine Kolleg*innen nicht früher über die Ermittlungen informiert habe (valid take!), und dass ein Film, der Sisi als feminist icon darstellt, wegen seiner Handlungen beschädigt wurde. Dann geht sie direkt zur Verurteilung der Produktion und des Konsums von Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Kindern über (auch valid take!).

Aber honestly tbh: It just reads incredibly icky.

Ich weiß nicht, wie fair es ist, Kreutzer (Marie) an diesem Statement festzunageln. Ob sie davon wusste oder nicht, bevor die Ermittlungen an die Öffentlichkeit gelangten, werden wir eh nie wissen. Aber drei Jahre später mit einem Film rauszukommen, in dem eine Familie mit den Taten des Vaters (der im Besitz von Inhalten sexueller Gewalt an Kindern ist) umgeht… Auch hier fällt mir kein besserer Begriff als „icky“ ein.

Unlängst sagte Kreutzer (Marie) in einem Interview beim ORF, sie wäre sich nicht sicher gewesen, ob sie den Film noch hätte machen können. Aber sie hat ihn ja gemacht. Gratuliere!
Außerdem meinte sie, dass der Fall Teichtmeister sie „atmosphärisch begleitet“ hätte. Das ist doch schön.

Gentle Monster riecht nach einer ganz freien, fast selbstgerechten Form des „Reclaimings“ und einer künstlerischen Auseinandersetzung, die ihr dabei verholfen haben soll, diesen Fall, dieses Thema in der Vergangenheit zu lassen (an dieser Stelle möchte die Redaktion ihr sehr herzlich gratulieren).

Eine künstlerische Auseinandersetzung, die von Kritiker*innen in den Himmel gelobt wird, wahrscheinlich wieder um die 60.240 Zuseher*innen generieren und unter der Prämisse eines „feministischen Tabubruchs“ eine neue österreichische Erfolgsstory herbeiführen wird.
Hot Take: Wir raten ab.